Kalkwerk

Musiktheater von Parallelaktion und Helmut Oehring. Nach dem Roman Das Kalkwerk von Thomas Bernhard.

Uraufführung:
14. / 15. / 16. Februar 2013, Radialsystem V, Berlin

Österreichische Erstaufführung:
7. März 2013, Republic, Salzburg Biennale

Im Zentrum des Musiktheaters KALKWERK steht eine weltverändernde Studie über das Gehör, die Konrad, der Autodidakt, nie niederschreiben wird. Auf der Suche nach optimalen Forschungsbedingungen zieht er mit seiner an den Rollstuhl gefesselten Frau in ein verlassenes Kalkwerk, wo er sie die Wirkung von Lauten, Worten und Satzfragmenten kommentieren lässt. Das Theater- und Performancekollektiv Parallelaktion bringt gemeinsam mit dem Streichquintett des ensemble mosaik in szenischer und vokalakustischer Arbeit die musikalische Neukomposition von Helmut Oehring zur Aufführung.

Welche Dauer hat ein Laut im Raum, wie lassen sich Töne unterhalb der Wahrnehmungsgrenze notieren, wie übt man Hören überhaupt? Im Zentrum von Thomas Bernhards Roman Das Kalkwerk steht eine weltverändernde Studie über das Gehör, die Konrad, der Autodidakt, nie niederschreiben wird. Gemeinsam mit seiner an den Rollstuhl gefesselten Frau ist er dieser Studie wegen in ein familieneigenes Kalkwerk gezogen. In völliger Abgeschiedenheit, gewählter Vereinsamung und fortschreitender Selbstzersetzung und Fremdzerstörung läßt er sie hier in monströsen Experimenten die Wirkung von Lauten, Worten und Satzfragmenten kommentieren. Seine Aufzeichnungen über Töne und Klänge, deren Ursprung physikalisch nicht erklärt werden kann, ufern aus, seine Methode ist Selbstzweck geworden. In endlosen Konversationen mit den wenigen Gästen des Kalkwerks kreisen Konrads Worte um die unsichtbare Studie über grundlegende Hörphänomene. Als Konrad seine Frau umbringt, geben seine Zuhörer Konrads Reden wieder.

Töne, Laute und Geräusche, Klänge im Raum, Wahrnehmung und Einbildung, das Zusammenspiel von Gehör und Verstand, von Gesagtem und Ungesagtem - und deren Sinn und Wert, wenn eine Dorfgemeinschaft die Besuche im Kalkwerk untereinander verhandelt: In einer Neukomposition von Helmut Oehring inszeniert das Musiktheater KALKWERK nicht die unterstellten Qualen eines Gesamtkünstlers ohne Werk, sondern die offensichtlichen Genüsse der Kolportage eines allmählich scheiternden Vorhabens. Vier Solisten des Theater- und Performancekollektivs Parallelaktion und ein Streichquintett des ensemble mosaik bringen gemeinsam in szenischer und vokalakustischer Arbeit eine musikalische Komposition zur Aufführung, die über elektronische Prozesse akustischer Operationen und Prozeduren der Rückkoppelung von Aufnahme- und Wiedergabetechniken den Stoff des Bernhardschen Romans zum Klingen bringen: Sprache aus zweiter Hand, Tatsachen vom Hörensagen, Anmaßungen und Prestigekämpfe, versuchte Inszenierungen fremder Identitäten, befriedigte Bestätigungen der eigenen. Konrad hat am Ende keine Sprache für seine Studie gefunden. Aber die Reden der anderen haben das KALKWERK erschaffen.

Helmut Oehring
ensemble mosaik
Radialsystem
Salzburg Biennale

© Kornelia Boje (1 u. 3), Stephanie Pilick (2)

Konzeption und Realisierung Parallelaktion
Komposition Helmut Oehring
Libretto Irene Rudolf und Albert Lang
Streichquintett ensemble mosaik
Audiorealisierung Torsten Ottersberg, gogh smp
Tonmeister bei Gastspielen Carlo Grippa
Video Nicolas Wackerbarth
Inszenierung Albert Lang
Ausstattung Parallelaktion und Hanne Loosen
Dramaturgie Irene Rudolf und Stefan Ulrich
Assistenz Marlene Hänig, Vera Gertz, Max Klawitter
Mitarbeit Assistenz Katharina Lengfeld, Michael Schindlmeier
Produktionsleitung ehrliche arbeit - Freies Kulturbüro
Presse Barbara Gstaltmayr, Bettina Schuseil
Wieser Niklas Bardeli
Höller Sören Canenbley
Konrad Nicolas Wackerbarth
Fro Stephan Wolf-Schönburg
Sprecher mit Sprechgesang ensemble mosaik mit Chatschatur Kanajan, Lea Rahel Bader, Karen Lorenz, Wolf Bender, Mathis Mayr

Eine Produktion von Parallelaktion, in Zusammenarbeit mit RADIALSYSTEM V. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Kulturstiftung Matrong. Mit Dank an die Medienpartner RBB Kulturradio, TIP Berlin und taz - die Tageszeitung.